Gedanken über mich

Ich muss mich manchmal zwischendurch in meinen bequemen Sessel im Esszimmer setzen – da liegt man fast – weil ich nicht mehr schmerzfrei sitzen kann, und da decke ich mich zu und habe dort ein Nackenhörnchen, und da gehen einem halt alle möglichen Gedanken durch den Kopf.
Ich war früher immer gut gelaunt und positiv eingestellt, ging pfeifend durch Bonn auf dem Weg zur Herold-Kantine und zurück, 10 Minuten quer durch die City, und es machte mir Spaß.
Heute kennt man mich wohl als mürrisch, auf jeden Fall meist ernst.
Nun, ich habe seit 35 Jahren morbus bechterew, zwar lange davon keine Schmerzen mehr, aber seit ca. acht Jahren kann ich nur noch mit Hilfe gehen und sitze seit über drei Jahren zu Hause im Rollstuhl, ich glaube, das prägt. Mit dem mb hatte ich mich abgefunden, muss man ja, und meinen Humor habe ich auch nicht verloren, aber was in den letzten Jahren dazu kam, war nichts schönes: Gischt, Arthrose, die Nieren arbeiten nicht richtig, teilweise Nervenschmerzen im Bein, und gut, ich kann noch Auto fahren, aber der Weg führt mittels Rollator drei Stufen runter in die Garage und wieder zurück, da überlegt man sich, ob man überhaupt aus dem Haus muss/will!
Und für jeden Mist, den ich früher alleine machte, brauchte ich heute Hilfe – das ist nicht schön, vor allem lästig und geht teilweise ins Geld.
Freude bereitet mir eigentlich nur, wenn einmal die Woche meine Haushaltshilfe kommt, die ist immer gut drauf, und ich kann mich gut mit ihr unterhalten, eigentlich über alles.
Das ist das Einzige, was mir wirklich fehlt: Gesellschaft, denn Langeweile habe ich nicht.
Und einfach mal so wie “Normalos” es sich zu Hause gemütlich machen, geht nicht: im Wohnzimmer steht mein Krankenbett. Urlaub ist auch nicht drin, denn ohne den “Galgen” am Bett käme ich nicht raus!
Früher habe ich gelesen, gebastelt, Musik gehört – meine Augen wurden immer schlechter, ich habe inzwischen vier Brillen, und meine Hände wurden zittrig, und beim Musik hören hätte man ja noch mehr trübe Gedanken! Ich beklage mich nicht, sondern schreibe einfach, wie es ist!
Wenn andere meinen, sie könnten mich nach zwei Sätzen in einem posting beurteilen, kann ich nur lachen! Und: mein Blickfeld ist sehr groß geworden, weil ich den Kopf schon lange nicht mehr drehen kann, und ich bekomme sehr viel mit, tue aber oft, als ob ich z.B. nicht bemerke, wenn man hinter mir her schaut.
So, nun weiter zum nächsten Film 😉
Diethelm